Esslinger Zeitung "Neue Spitze der IG Metall in Esslingen"

Die IG Metall Esslingen stellt sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entschlossen an die Seite der Beschäftigten. Wir kämpfen für sichere Arbeitsplätze, stärken die Zukunftsfähigkeit der Industrie und sagen klar: Nullrunde ist keine Option.

neue Spitze

27. Februar 2026 27. Februar 2026


 

Neue Spitze der IG Metall in Esslingen: „Die Arbeitgeber haben gepennt“ 

In der wirtschaftlich schwierigen Lage der Industrie ist die IG Metall Esslingen mit neuer Spitze bereit zur Mitwirkung, um Arbeitsplätze zu halten. Eine Tarifnullrunde lehnt sie ab.

 

Krisenzeiten können heikel sein für Gewerkschaften: Einerseits brauchen Arbeitnehmerinnen und -nehmer die Unterstützung der erfahrenen Hauptamtlichen im Kampf um den Joberhalt. Andererseits ist es schwerer, eigene Positionen durchzusetzen. Nevin Akar und Max Czipf, die neue Führung der  IG Metall Esslingen, sind sich dessen bewusst. Eine Nullrunde für die Beschäftigten beispielsweise in den im Herbst beginnenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie lehnen sie ab. „Das ist Leute beklauen“, sagt der Erste Bevollmächtigte Max Czipf. 


Zum Jahreswechsel haben er und Nevin Akar als Zweite Bevollmächtigte die Leitung der Esslinger Geschäftsstelle der Industriegewerkschaft übernommen. In den vergangenen Monaten waren sie und ihre Kollegen in zahlreiche Verhandlungen zwischen Betriebsräten und Geschäftsführungen in lokalen Industriebetrieben involviert, die straucheln. „Wir kämpfen für den Arbeitsplatzerhalt und im Sinne der Gesamtgesellschaft für die Zukunftsfähigkeit der Industrie“, sagt Akar.

 

IG Metall Esslingen hält Tariferhöhungen für notwendig: sichern Kaufkraft

In diesem Sinne sieht die IG Metall auch in Zukunft Tariferhöhungen als notwendig an. Dabei gehe es auch darum, die Kaufkraft in der Region zu sichern. „Der größte Wachstumsfaktor ist schließlich der Verbraucher“, sagt Akar.

Es gebe strukturelle Probleme in vielen Betrieben, sagt Akar. „Aus meiner Sicht haben wir die heutige Situation in vielen Unternehmen, weil sie sich nicht vorbereitet haben auf die Transformation.“ Czipf ergänzt, dass beispielsweise die Digitalisierung und Automatisierung in vielen Werken im Kreis Esslingen nicht so weit fortgeschritten sei, wie andernorts – und das, obwohl in den 2010er-Jahren über kaum etwas anderes als Industrie 4.0 diskutiert worden sei. „Im Kern ist aber nichts passiert“, sagt Czipf.

„Viele Arbeitgeber haben schlicht gepennt“ – Kritik der Esslinger Gewerkschaft

Die Esslinger Metaller zeigen sich verärgert über Debatten zu Themen wie der täglichen Höchstarbeitszeit, dem Krankenstand und der Teilzeitquote in Deutschland. „Das Fingerpointing auf die Beschäftigten hilft nicht. Sie sind nicht das Problem. Viele Arbeitgeber haben schlicht gepennt“, sagt Czipf.

Dabei gebe es auch Unternehmen, die vieles richtig gemacht hätten. Festos Technologiefabrik in Scharnhausen nennen die Gewerkschafter als Positivbeispiel. Kurze Entfernungen zwischen Produzenten, Lieferanten und Abnehmern seien eine Stärke in der Region. „Aber je mehr Unternehmen die Biege machen und Produktion ins Ausland verlagern, desto länger werden die Wege“, sagt Czipf. Das schade dann auch jenen, die noch Werke hierzulande hielten. Und Arbeitsplätze, die mal weg seien, seien schwer wieder herzuholen.

IG Metall Esslingen: Verzicht für Mitbestimmung und Jobsicherung

Vor diesem Hintergrund ist die IG Metall froh über jedes Gesprächsangebot, das seitens der Betriebe gemacht werde. In Ergänzungs- oder Zukunftstarifverträgen – wie zuletzt etwa bei Eberspächer und Putzmeister – versuchen die Arbeitnehmervertreter Arbeitsplätze zu halten, eine Beschäftigungssicherung zu erreichen und eine Perspektive für Unternehmen mit zu erarbeiten. Dabei verzichten Beschäftigte beispielsweise übergangsweise auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Sonderzahlungen. Und bekommen dafür gewisse Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Mehr Einsatz für die Zukunftsfähigkeit der Industrie wünscht sich die IG Metall auch von der Politik. Czipf schlägt einen Regionalfonds vor, in dem ein paritätisch besetztes Gremium über Investitionen entscheide, die in Zukunftsthemen wie KI, erneuerbare Energien oder Batterietechnologie fließen. Es gelte auch, in Deutschland und Europa unabhängiger von Ländern wie den USA und China zu werden, die Rohstoffe und wichtige Produkte als politische Druckmittel einsetzten. Zugleich ist Czipf überzeugt, dass der Maschinenbau die Leitindustrie des Landkreises bleiben werde – wenn vielleicht auch weniger abhängig vom Automobilbau. „Das ist das Herz bei uns und das wird auch so bleiben.“

 

geschrieben von Greta Gramberg, Esslinger Zeitung
zum Artikel: Situation in der Industrie: Neue Spitze der IG Metall in Esslingen: „Die Arbeitgeber haben gepennt“ - Esslingen - Esslinger Zeitung