IG Metall Esslingen zeigt Wege für Industrie und Beschäftigung Esslinger Lastenheft: Vorschläge für sichere Arbeitsplätze und eine starke Region

Arbeitsplätze sichern, Wertschöpfung stärken, Zukunft gestalten: Mit dem „Esslinger Lastenheft“ bringt die IG Metall Esslingen konkrete Vorschläge für eine starke Industrie und gute Beschäftigung in der Region ein.

Mahle in Stuttgart-Feuerbach: Der Autozulieferer Mahle will im großen Maße ins Ausland verlagern. 1300 Mahle-Beschäftigte demonstrieren im Oktober unter dem Motto „Ohne Zukunft sehen wir schwarz“ für Zukunftsverträge.

31. August 2026 31. August 2026


PRESSEMITTEILUNG
IG METALL ESSLINGEN

 Die IG Metall liefert Antworten auf die Krise

 

Die wirtschaftliche Lage im Kreis Esslingen wirkt schlechter als sie ist. Neben den tatsächlichen wirtschaftlichen Problemen durch den schwächelnden Binnen- und Exportmarkt, ist die Stimmung der entscheidende Faktor. Diese Lage nutzen die Arbeitgeber nun, um Stellenabbau zu betreiben. Gleichzeitung schieben sie den Beschäftigten die Schuld für die Misere zu.

Im Falle einer betrieblichen Schieflage haben IG Metall-Mitglieder in den letzten Jahren viele Betriebe durch Ergänzungstarifverträge gerettet. Auch in Veränderungsprozessen wurden erfolgreich Zukunftstarifverträge abgeschlossen, die im Kern bedeuten, dass die Belegschaft als Bank auftritt und dann über die Zukunftsstrategie mitentscheiden kann.

 

Von den Arbeitgebern erwarten die Beschäftigten jetzt zu Recht, dass sie einen Plan entwickeln, wie die Arbeitsplätze gesichert und „Made in Germany“ ausgebaut werden können.

 

Die IG Metall Esslingen hat hierzu einen im „Esslinger Lastenheft“ ausgearbeiteten Vorschlag: „Anstatt weiter auf Zulieferer in weiter Ferne zu setzen, könnten die Betriebe bei Unterauslastung kooperieren und sich die Aufträge „zuschieben“. Das führt zu kurzen lokalen Lieferketten, sichert Auslastung und schützt bei globalen Krisen vor Produktionsausfällen.“ So Max Czipf 1. Bevollmächtigter der IG Metall Esslingen. Diese Ideen wurden von Betriebsrätinnen und Betriebsräten entwickelt.
Darüber hinaus brauchen wir endlich mehr Investitionen im Inland, um die Betriebe zu stärken und produktiver zu machen. Hier sind nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Politik in der Pflicht. Weil klassische Finanzierungswege über Banken scheitern, müssen wir neue Mechanismen entwickeln, wie Betriebe in Schieflagen finanziert werden können. Unser Vorschlag wäre ein Regionalfonds mit einer tiefen Verankerung vor Ort. Ziel muss sein, unsere regionalen starken Branchen und die lokalen Wertschöpfungsketten zu schützen und zu stärken. Deshalb fanden jetzt erste Gespräche mit Andrea Lindlohr (MdL) von den Grünen und Nicolas Fink (MdL) von der SPD statt.

Nicolas Fink findet die im Esslinger Lastenheft enthaltenen Vorschläge sehr gut: „Wir sind in Deutschland Analyseweltmeister und zusätzlich haben wir aktuell die Situation, dass der Zeitgeist und die Stimmung durch eine Zukunftsangst der Beschäftigten geprägt ist und es gerade vor allem um das Thema Beschäftigungssicherung geht. Deswegen begrüße ich die konkreten Handlungsvorschläge des Esslinger Lastenheftes ausdrücklich, da diese einen wichtigen Impuls liefern, wie die Arbeitsplatzsicherung und der Erhalt und die Zukunft für wichtige Industriebranchen in der Region gelingen kann.“

Weitere Gespräche mit den anderen Parteien werden folgen.

 

Beschäftigte als „das Problem“ darzustellen, wie es Arbeitgeber und Teile der Politik derzeit tun ist falsch. Die Beschäftigten sind weder faul noch übermäßig krank. Nevin Akar 2. Bevollmächtigte der IG Metall Esslingen ergänzt: „Die Beschäftigten sind der Schlüssel, weil sie Ideen entwickeln, wie es mit Ihnen und den Betrieb weiter geht - man sollte zur Abwechslung auf sie hören, statt sie zu ignorieren“. Barbara Resch hat als Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg denjenigen Arbeitgebern die Hand entgegengestreckt, die bereit sind konstruktiv an Lösungen zu arbeiten und Tarifverträge als Instrument gegen die Krise einzusetzen. Dass solche gemeinsamen Lösungen Erfolg haben können, zeigt das Beispiel der Firma Nagel Technologies in Nürtingen, die mit Entschlossenheit und der Bereitschaft zur sozialpartnerschaftlichen Zusammenarbeit die Transformation bewerkstelligt hat.

 

Viele Arbeitgeber scheinen mit dem Standort und den Menschen allerdings abgeschlossen zu haben. Ein viel diskutiertes Beispiel ist die Firma Festo, die die Stimmung nutzt, um zu begründen, dass sie Menschen loswerden „müssen“. Das passiert auf unrühmliche Weise. Dabei ist Festo kein Krisenfall. Auch der Vorschlag zurück zur 40 Stunden Woche zu gehen ist eine arbeitnehmerfeindliche Position, weil eine 40 Stunden Woche bei Unterauslastung zu weiterem Stellenabbau führt.

Die Perspektive auf den Standort und die Beschäftigten muss sich ändern, denn bei aller Rede über hohe Arbeitskosten wird allenthalben vergessen, welche Standortvorteile Deutschland hat: ein großer Absatzmarkt, tiefe Einbindung in den EU-Binnenmarkt, Rechtsicherheit, zuverlässige Infrastruktur, hohes Qualifikations- und Innovationsniveau, politische Stabilität, geografisch gute Lage für effiziente Lieferketten und Vertrieb. Als IG Metall Esslingen gehen wir voran und entwickeln verwirklichbare Modelle. Jeder und jede ist eingeladen mitzumachen. Auch Arbeitgeber und Politik.